Zwischen Neon und Nachdenken
Es gibt diese Abende, an denen alles gleichzeitig da ist. Energie und Müdigkeit. Euphorie und Nachdenken. Bewegung und Stillstand.
Ich sitze gerade in einem Reha-Zimmer irgendwo zwischen Therapieplan, Mineralwasser und dem leisen Summen von Neonlicht. Draußen ist es kalt, drinnen erstaunlich ruhig. Und genau in dieser Ruhe passiert etwas Merkwürdiges: Dinge ordnen sich. Gedanken tauchen auf, die im Alltag sonst untergehen. Gefühle, die sonst keinen Platz finden.
Ich merke, wie sehr mich Musik schon mein ganzes Leben begleitet hat. Nicht nur als Soundtrack für gute Zeiten, sondern auch als Ventil, als Spielfeld, als Ort, an dem Widersprüche nebeneinander existieren dürfen. Genau daraus ist Rein.Hart entstanden. Nicht aus einem Clubrausch ohne Ende, sondern aus Faszination. Aus dem Gefühl, das die 90er-Rave-Musik hatte: dieses grelle, übertriebene, manchmal alberne, aber immer ehrliche Versprechen von Freiheit.
„Rave und Ekstase“ ist in dieser Phase wieder sehr präsent. Der Song fühlt sich gerade fast wie ein Gegenpol an zu der Umgebung hier. Während um mich herum alles strukturiert, ruhig und therapeutisch korrekt ist, schreit dieser Track nach Neon, Schweiß und Bewegung. Vielleicht braucht es genau diese Spannung. Ordnung auf der einen Seite, Eskalation auf der anderen.
Was mir auffällt: Ekstase bedeutet für mich heute etwas anderes als früher. Nicht Kontrollverlust um jeden Preis, sondern ein bewusster Moment, in dem man ganz da ist. Im Körper. Im Beat. Im Jetzt. Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser Song jetzt erscheint und nicht früher.
Zwischen Anwendungen, Spaziergängen und viel Zeit zum Nachdenken entsteht gerade etwas Neues. Kein kompletter Neustart, eher ein Nachjustieren. Rein.Hart bleibt laut, ironisch, überdreht. Aber dahinter ist mehr Klarheit als je zuvor.
Der Rave beginnt nicht nur auf dem Dancefloor. Manchmal beginnt er leise. In einem Zimmer. Mit einem Gedanken. Und der Entscheidung, trotzdem weiterzugehen.
Tiefer rein. Immer hart.

