Ich respektiere Arbeit, Risiko, Haltung.
Aber ich habe keinen Respekt für ein System, das Kreativität zuerst bewertet durch Klickzahlen, Likes und virale Häppchen und nur dann überhaupt zuhört.
Labels sprechen heute nicht über Potenzial. Sie sprechen über Followerzahlen, Playlistplatzierungen, virale Chancen. Wenn dein Track nicht schon vorher in irgendeiner Statistik glitzert, interessiert es niemanden. Labels hören nicht zu. Sie hören auf Daten und behandeln Musik wie Werbung, nicht wie Kunst.
Und dazu kommt das Streaming-Vergütungsproblem, so schlimm, dass selbst ein deutscher Popstar öffentlich sagt, es sei ein „System für Doofe“.
Spotify schmeißt alle Umsätze in einen Topf und verteilt sie proportional nach Streams. Große Acts fressen den größten Teil des Kuchens, Newcomer kriegen den Rest. In Cent. Im Schnitt sind das Bruchteile von Cents pro Stream, und man braucht Millionen, bevor überhaupt etwas ankommt.
Herbert Grönemeyer nennt das nicht nur ungerecht. Er nennt es „das größte Idiotensystem im Kapitalismus“.
Große Künstler, kleine Künstler, alle kriegen nur zwei Cent pro Stream, während der Rest der Abo-Gebühr in einen unendlichen Topf gepumpt wird, aus dem nur die ganz Großen profitieren.
Was ich nicht respektiere:
- ein System, das Produktion nach Algorithmus statt nach Substanz bewertet
- Labels, die erst zahlen, wenn die Zahlen stimmen
- Vergütungsmodelle, bei denen echte Künstler meistens leer ausgehen
- Klick-Druck als Eintrittskarte für Karrierechancen
- Streaming-Paychecks, die irgendwo zwischen lächerlich und existenzgefährdend liegen
Musik war nie dafür gedacht, von Charts und Dashboards regiert zu werden. Wenn zuerst die Signale und danach die Musik kommt, dann ist das kein Markt. Das ist ein Spiel mit verzerrten Regeln, bei dem die Künstler am kürzeren Ende stehen.
Und wenn das so bleibt, dann sind wir nicht Kreative. Dann sind wir Serviceleistung für Algorithmen.

